Pressemitteilung „Songs Of The Clown“

Zum Ende des Shakespeare-Jahres 2014 legen der junge Bariton Georg Streuber und sein Klavierbegleiter Max Doehlemann ein Album mit Lied-Vertonungen des großen Dramatikers vor. Interpretiert werden Werke von Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Fortner, Aribert Reimann und Max Doehlemann. Enthalten ist auch eine DVD mit zwei Videoclips von Rosenberg, die zwei auf der CD enthaltene Lieder filmisch illustrieren. 
Neben Streichquartetten zählen Liedkompositionen zu den intimsten Gattungen. Sie sind ein Nukleus, der nicht nur Zeugnis ablegt über das kompositorische Arbeiten, sondern auch dokumentiert, wie ihr Autor vertonte Texte rezipiert, wie er sie liest, wie er sie gewichtet. Zugleich ist dies auch die besondere Qualität der literarischen Grundlage, bei der gewissermaßen „auf kleinstem Raum“ und auf die Stimme zurückgeworfen alles erzählt werden muß. In diesem Falle trifft sich, daß die literarische Vorlage ein Mann liefert, in dessen Zentrum der Mensch steht, das menschliche Herz mit all seinen Facetten, Ambiguitäten und Abgründen, der immer wieder die Schnittstelle zwischen Psychologie, Universalismus und archaischem Welttheater beleuchtet.Auf der vorliegenden Aufnahme sind vier Komponisten versammelt, die aus ganz unterschiedlicher Perspektive sich Sonetten William Shakespeares, aber auch Ausschnitten aus seinem dramatischen Werk zuwenden. Vier Komponisten, vier Lesarten. Die “Four Shakespeare Songs” von Erich Wolfgang Korngold sind inmitten seiner Exiljahre 1939 auf Initiative Max Reinhardts für Aufführungen von dessen Actor’s Studio entstanden: für den Filmkomponisten in Hollywood ein rarer Exkurs in die ernste Musik. Wolfgang Fortners “Shakespeare Songs”, nur acht Jahre später entstanden, zählen zu seinen ersten Werken aus der Nachkriegszeit und wurden 1947 bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt uraufgeführt. In ihnen schlägt er neue Wege ein, wenn auch der Einfluss Hindemiths noch hörbar ist. Die “Drei Sonette” von Aribert Reimann aus dem Jahre 1964 sind dem Bariton Barry McDaniel gewidmet, mit dem ihn eine enge künstlerische Zusammenarbeit verbindet. Zentral ist die in höchstem Maße expressive Verwendung der menschlichen Stimme in ihrer intensiven Auseinandersetzung mit dem Text. Jüngster Komponist der Aufnahme ist Max Doehlemann. Seine Vertonungen von  Shakespeares Sonetten stammen sämtlich aus dem Jahr 2012. Im Vordergrund steht die Arbeit mit melodischen und rhythmischen Motiven, die den gesamten Zyklus durchziehen, den Text begleiten und durch die Analyse des Texts auf vielfache Weise beleuchtet werden.
Shakespeare, Song of the Clowns
Georg Streuber, Bariton
Max Doehlemann, Klavier
Produziert von: Max Doehlemann
Spieldauer: 1 h 14 min
Werke:
Aribert Reimann: Three Sonnets
Max Doehlemann: Shakespeare Sonnets
Wolfgang Fortner: Shakespeare Songs
Erich Wolfgang Korngold: Songs Of The Clown
enthalten: 1 Audio-CD, zusätzlich 1 DVD mit zwei künstlerischen Videoclips von Ron Rosenberg
MG-Audio
LC 24665
EAN: 700153 288606

CD release

Liebe Freunde,

wir möchten mit Ihnen und Euch die Veröffentlichung unserer CD „Songs Of The Clown“ feiern. Georg Streuber (Bariton) und Max Doehlemann (Klavier) interpretieren Shakespeare-Vertonungen, darunter Werke von Aribert Reimann, Max Doehlemann, Wolfgang Fortner und Erich Wolfgang Korngold. Außerdem stellen wir zwei künstlerische Videoclips von Ron Rosenberg vor, die wir auch während der Feier zeigen werden.

Es ist uns eine Freude, mit Ihnen und Euch auf dieses Ereignis anzustoßen. Natürlich werden wir als Künstler am Flügel Kostproben zum besten geben. Wir danken Herrn Prof. Dr. Hertin, dass er uns für die Feier die Räumlichkeiten seiner Anwaltskanzlei am Kurfürstendamm zur Verfügung stellt.

Wir bitten um persönliche Anmeldung unter max_doehlemann@web.de

 

 

 

um 18:00
Anwaltskanzlei Hertin und Partner, Kurfürstendamm 54/55, 10707 Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

Introduction by Esther Kontarsky/Einführung von Esther Kontarsky

„So much has been said about Shakespeare, that it seems as if nothing more could be said, However, the quality of mind is that it challenges the mind  forever.” —Goethe, in the morning newspaper for educated classes.

Besides string quartets, songs for voice and piano count among the most intimate of genres. They are a the fulcrum by which theauthor not only bears witn ess  to the art of compositional work, but also documents how he  adapts the  text that he sets to music, how he reads that text, and how he weighs it. At the same time, the specific quality of the literary basis is that everything must be told within a „highly contained context“ and echoed through the voice. In  this case, the literary original happens to have been written by a man whose central interest is in Man, the human heart in all its facets, ambiguities, and abysses, a man who continuously highlights the place where psychology, universalism, and the archaic „theater of the world“  converge. This recording assembles four composers who each  approach William Shakespeare’s sonnets and excerpts from his stage work from very different angles. Four Composers, four Readings.

Erich Wolfgang Korngold’’s „Four Shakespeare Songs“  were was the result of Max Reinhardt’s request to write music for performances at his  Actor’s Studio in 1939. These songs were a rare diversion into classical music during Korngold’s years in American exile. While the songs  were occasional pieces, as one can see in the second  song  that  Korngold  borrowed melodic material from a film score that he  published earlier that year.  Yet -, the first song, “Come Away, Death“, carries a melancholy which seems to surpass the actual context of the words.

Wolfgang  Fortner’s Shakespeare Songs, written only eight years later,  is among his first works from the post-war period, and  was premiered in 1947 at the Internationalen Ferienkurse für Neue Musik (International Summer Courses for New Music) in Darmstadt. Here, he breaks new ground, even though the influence of Hindemith is still audible. In parts, he chooses the same text  as Korngold. However, where Korngold is playful and ironic, Fortner is serious, pessimistic, and brusque. “Oh  Mistress Mine“  according to Fortner, is completely unfrivolous, almost lost in the same deadly serious style, and as  that of “It  Raineth Every  Day“  which he  selected from the text version  of King Lear. His musical settings from  Shakespeare’s dramatic works hint at Fortner’s later  theatrical works.

Aribert  Reimann’s „Drei Sonette,“ from 1964, are dedicated to the baritone Barry Mc Daniel, with whom  Reimann enjoyed a close artistic relationship. At the center of these sonnets is the highly expressive use of the human voice  in its intense engagement with the text. The voice carries through the first sonnet, in which the piano  creates a tonal grounding with its constantly interspersed F#, situating  the harmony in the realm of a tri-tone;  The second sonnet takes the listener in with into an introspection, with  which the voice’s partner, the piano, only then joins in. In the third  sonnet, one almost physically experiences the  voice’s struggle  through the interference  created by the Janus-faced nature of words and meaning. In the conflicting  tension between voice, piano, and  text, Reimann’s settings of Shakespeare’s sonnets reveal themselves as states of the soul.

The youngest composer on this recording is Max Doehlemann. His settings of Shakespeare’s Sonnets were all written in 2012. The foreground  of the  work contains  melodic and rhythmic  motives which  permeate the entire cycle, accompany the text, and analytically illuminate the text in various ways.  At other times, the  central motive  of “Shall I compare thee to a summer’s day“,   which like an echo, or a distant memory, recurs elsewhere, exposed, or inverted, as in Sonnet 116. The  Sonnets, one could say, show in his reading the diversity of and interpretive wealth from one and the same motive.

“What will survive of us is love.“ 

Philip Larkin, Poems

 

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Einführung von Esther Kontarsky

„Es ist über Shakespeare schon so viel gesagt, dass es scheinen möchte, als wäre nichts mehr zu sagen übrig, und doch ist das die Eigenschaft des Geistes, dass er den Geist ewig anregt“
Goethe im Morgenblatt für gebildete Stände

Neben Streichquartetten zählen Liedkompositionen zu den intimsten Gattungen. Sie sind ein Nukleus, der nicht nur Zeugnis ablegt über das kompositorische Arbeiten, sondern auch dokumentiert, wie ihr Autor vertonte Texte rezipiert, wie er sie liest, wie er sie gewichtet. Zugleich ist dies auch die besondere Qualität der literarischen Grundlage, bei der gewissermaßen „auf kleinstem Raum“ und auf die Stimme zurückgeworfen alles erzählt werden muß. In diesem Falle trifft sich, daß die literarische Vorlage ein Mann liefert, in dessen Zentrum der Mensch steht, das menschliche Herz mit all seinen Facetten, Ambiguitäten und Abgründen, der immer wieder die Schnittstelle zwischen Psychologie, Universalismus und archaischem Welttheater beleuchtet.

Auf der vorliegenden Aufnahme sind vier Komponisten versammelt, die aus ganz unterschiedlicher Perspektive sich Sonetten William Shakespeares, aber auch Ausschnitten aus seinem dramatischen Werk zuwenden. Vier Komponisten, vier Lesarten. Die „Four Shakespeare Songs“ von Erich Wolfgang Korngold sind inmitten seiner Exiljahre 1939 auf Initiative Max Reinhardts für Aufführungen von dessen Actor’s Studio entstanden: für den Filmkomponisten in Hollywood ein rarer Exkurs in die ernste Musik. Zwar sind sie Gelegenheitsstücke, erkennbar auch daran, daß er das melodische Material des zweiten Lieds bereits in einem aus demselben Jahr stammenden Film verwendet hat. Doch klingt besonders im ersten,“ Come away, death“, eine Wehmut mit, die über den eigentlichen textlichen Anlass hinauszugehen scheint.


Wolfgang Fortners „Shakespeare Songs“, nur acht Jahre später entstanden, zählen zu seinen ersten Werken aus der Nachkriegszeit und wurden 1947 bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt uraufgeführt. In ihnen schlägt er neue Wege ein, wenn auch der Einfluss Hindemiths noch hörbar ist. In Teilen trifft er die gleiche Textauswahl wie Korngold. Wo aber Korngold spielerisch und ironisch ist, gerät es bei Fortner ernst, pessimistisch, schroff. „Oh Mistress Mine“ in Fortners Lesart gänzlich unfrivol, ist hier beinah entrückt, im selben todernsten
Duktus gerät „It raineth every day“, für das er die Textfassung aus King Lear wählt. Seine Vertonungen, besonders aus Shakespeares dramatischem Werk, lassen Fortners spätere Bühnenwerke bereits ahnen.

Die „Drei Sonette“ von Aribert Reimann aus dem Jahre 1964 sind dem Bariton Barry McDaniel gewidmet, mit dem ihn eine enge künstlerische
Zusammenarbeit verbindet. Zentral ist die in höchstem Maße expressive Verwendung der menschlichen Stimme in ihrer intensiven Auseinandersetzung mit dem Text. Sie trägt durch das erste Sonett, dem das Klavier mit dem immer wieder eingestreuten fis eine tonale Erdung gibt, es in einem Tritonus verortet, nimmt im zweiten den Hörer gleichsam mit in eine Innenschau, dann erst setzt der Partner, das Klavier, ein. Im dritten spürt man förmlich, wie die Stimme durch Störfelder hindurch angesichts der Janusköpfigkeit der Worte und Dinge um ihren Sinn ringt. Im Spannungsfeld zwischen Stimme und Klavier offenbaren sich seine Vertonungen der Sonette als Seelenzustände.

Jüngster Komponist der Aufnahme ist Max Doehlemann. Seine Vertonungen von  Shakespeares Sonetten stammen sämtlich aus dem Jahr 2012. Im Vordergrund steht die Arbeit mit melodischen und rhythmischen Motiven, die den gesamten Zyklus durchziehen, den Text begleiten und durch die Analyse des Texts auf vielfache Weise beleuchtet werden. Mal als zentrales Motiv  „Shall I compare thee to a summer’s day“, das an anderer Stelle im Sonett 116 wie ein Echo, eine ferne Erinnerung, wieder auftaucht, ein anderes Mal nackt oder in der Umkehrung erscheint. Die Sonette, so könnte man sagen, zeigen in seiner Lesart die Vielgestaltigkeit und Deutungsfülle des ein und selben Motivs.

“What will survive of us is love.”
― Philip Larkin, Poems